Datenauswertung

Movebank wird von Tausenden von Forschern genutzt, um ihre Tierverfolgungs- und Sensordaten zu sammeln, zu verwalten, zu teilen, zu visualisieren, zu analysieren und zu archivieren.

Movebank ist ein Ökosystem von Tools, das von Tausenden von Forschern genutzt wird, um ihre Tierverfolgungs- und Sensordaten zu sammeln, zu verwalten, zu teilen, zu visualisieren, zu analysieren und zu archivieren. In Movebank verwalten Forscher Daten zu über 1.600 Tierarten aus allen Kontinenten. Diese Daten bilden die Grundlage für mehr als 1.000 veröffentlichte Artikel und werden von einer wachsenden Zahl von Regierungsbehörden und Naturschutzorganisationen genutzt.

Die von Movebank angebotenen Lösungen verändern die Art und Weise, wie Biologen das Verhalten und die Lebensgeschichte von Tieren untersuchen. Sie werden auch genutzt, um einige der größten Fragen zu beantworten, wie zum Beispiel: Wie wirkt sich der Klimawandel auf arktische Säugetiere aus? Warum sind in den letzten drei Jahrzehnten 3 Milliarden Vögel in Nordamerika verschwunden? Und wie würde die Tierwelt ohne Menschen aussehen?

Das Movebank-Ökosystem, das gemeinsam von Sarah Davidson und Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie (MPI-AB), Roland Kays von der North Carolina State University sowie Thomas Mueller vom Senckenberg Museum in Frankfurt entwickelt wurde, basiert auf einer Datenbank, in der die von Tiersendern gesammelten Daten gespeichert werden, darunter auch die vom ICARUS-System generierten Daten. Die Datenbank wird von der Universität Konstanz, dem MPI-AB und dem Senckenberg Museum verwaltet. Derzeit wird sie von über 4000 Dateninhabern weltweit genutzt, die über 8 Milliarden Tierortungs- und Sensormessungen aus mehr als 8000 Studien verwalten, wobei Tausende von aktiven Sendern täglich über 25 Millionen neue Standort- und andere Sensordaten übermitteln.

Grosse Probleme angehen

Standort- und Sensordaten alleine haben nur einen begrenzten Wert. Viele Verarbeitungsschritte sind notwendig, um aus den Daten aussagekräftiges biologisches Wissen abzuleiten. Und hier kommen weitere Komponenten von Movebank ins Spiel:

In einem ersten Schritt hilft die Movebank-Website dabei, die Bewegungsdaten zu visualisieren, indem sie die Bewegungsmuster der Tiere auf Karten anzeigt, die von Wissenschaftler*innen und der Öffentlichkeit gleichermaßen betrachtet werden können. Dabei ist anzumerken, dass diese Funktion bei besonders empfindlichen Daten eingeschränkt wird. Forschende, die beispielsweise mit Tieren arbeiten, die von Wilderei bedroht werden, teilen ihre Daten lediglich für bestimmte Zwecke und mit einem eingeschränkten Personenkreis – zum Beispiel mit Wildhüter*innen, die auf die gefährdeten Tiere aufpassen.

Um die Bewegungsdaten in einen größeren Zusammenhang zu setzen, können die Forschenden sie in Movebank mit zusätzlichen Anmerkungen zu Hunderten von Umweltparameter versehen. Diese basieren auf Daten von globalen Fernerkundungs- und Wetterdiensten. Und wird ein bestimmtes Werkzeug zur Datenanalyse benötigt, können Forschende den Entwicklungsbereich von Movebank – MoveApps – nutzen, um mit Programmierer*innen an der Erstellung maßgeschneiderter Anwendungen zu arbeiten. Eine dieser Apps, der „Morning Report“, visualisiert täglich die neuesten Bewegungsdaten und gibt eine Warnung aus, wenn die plötzliche Anhäufung von GPS-Koordinaten an einem Ort darauf hindeutet, dass ein Tier verstorben sein könnte.

Die Werkzeuge von Movebank gestatten so intime Einblicke in das Leben von Tieren, etwa wenn sie neues Leben gebären oder sterben. Forschende erlangen so die Möglichkeit, Arten in ihren verletzlichsten Momenten zu schützen. Beispielsweise ergab eine Langzeitstudie mit 171 Weißstörchen in Movebank, dass in Europa die meisten der Störche durch Stromschlag bei der Landung auf Überlandleitungen starben, während die meisten Todesfälle in Afrika auf Jagdereignisse zurückzuführen waren.

Crowdsourcing Entdeckungen

Über die wissenschaftliche Gemeinschaft hinaus nutzt Movebank auch die Intelligenz von Amateur-Tierbeobachtern weltweit. Bewegungsdaten aus Movebank werden in die Animal Tracker App eingespeist, die jedem mit einem Smartphone die Möglichkeit gibt, sich aktiv an Forschungsprojekten zu beteiligen.

Das kürzlich hinzugefügte Movebank Life History Museum, MoMu, vergibt jedem verfolgten Tier eine weltweit eindeutige ID – einen globalen Tierpass. Jedes Individuum hat auch eine eigene Website, eine eigene E-Mail-Adresse und einen eigenen Lebenslauf.

Wichtig ist, dass das MoMu auch ein „Ideenforum“ bieten wird, in dem beispielsweise Amateure, Wildtierbeobachter, Jäger, Landwirte und indigene Gemeinschaften Wissenschaftler dazu anregen können, mit ihnen zusammenzuarbeiten, um ihre Ideen zu testen: ein echtes Hilfsmittel, um aus dem kulturellen Wissen derjenigen zu lernen, die Tiere in ihrem täglichen Leben am besten kennen.

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