Empfänger im All
Kleine Tiersender übertragen ihre Daten an einen Empfänger im Weltraum, der die Daten wiederum zurück zur Erde sendet
Von der Internationalen Raumstation ISS zum Kleinsatelliten
Bis zum Frühjahr 2022 diente die Internationale Raumstation (ISS) als wichtigste Empfangsstation für Signale der ICARUS-Sender. Sie umkreist die Erde in einer Höhe von etwa 400 Kilometern und ist damit vergleichsweise nah am Planeten – ein klarer Vorteil für ICARUS, dessen Sender auf einen möglichst geringen Energieverbrauch ausgelegt sind. Durch diese niedrige Umlaufbahn konnte der Energiebedarf der Tiere auf ein Minimum reduziert werden.
Seit 2023 stellt ICARUS schrittweise auf eine neue Generation von Weltrauminfrastruktur um. Diese basiert auf kommerziell betriebenen Kleinsatelliten, sogenannten CubeSats. Sie wiegen in der Regel weniger als 30 Kilogramm und lassen sich mit kleineren, flexibleren Raketen starten. Aufgrund ihrer vergleichsweise niedrigen Kosten und ihrer guten Skalierbarkeit gelten diese Kleinsatelliten als Schlüsseltechnologie für die Zukunft der Raumfahrt und eröffnen neue Möglichkeiten – sowohl für die Forschung als auch für kommerzielle Anwendungen. Die ICARUS-Nutzlasten an Bord dieser CubeSats werden von Talos entwickelt, einem in München ansässigen Unternehmen, das auf Satellitenortungssysteme spezialisiert ist.
Ein kleinerer, Leistungsstärkerer Empfänger
Im Zentrum dieser Entwicklung steht ein neu konzipierter ICARUS-Empfänger, der deutlich kompakter und gleichzeitig leistungsfähiger ist als sein Vorgänger. Das neue System ist in einem würfelförmigen Gehäuse mit einer Kantenlänge von nur 10 Zentimetern untergebracht und wiegt etwa zwei Kilogramm. Es ersetzt die bisherige Technik auf der ISS, die aus einer drei Meter langen Antenne und einem Computer in der Größe eines Desktop-PCs bestand.
Trotz seiner geringen Größe arbeitet der neue Empfänger wesentlich effizienter: Er benötigt nur ein Zehntel der Energie und kann gleichzeitig mit viermal so vielen Tier-Sendern kommunizieren. Zudem lassen sich Daten schneller übertragen, und die Sender können von den Forschern einfacher neu programmiert werden. Das ermöglicht eine deutlich flexiblere und effizientere Datenerfassung.
Weltweite Abdeckung in der erdnahen Umlaufbahn
Wie zuvor die ISS bewegen sich auch die neuen ICARUS-CubeSats in einer erdnahen Umlaufbahn in rund 500 Kilometern Höhe. Von dort aus umkreist jeder Satellit die Erde mehrmals täglich und überfliegt nach und nach sämtliche Regionen der Erdoberfläche.
Ein entscheidender Vorteil gegenüber der ISS ist jedoch, dass diese Satelliten auch die Polarregionen abdecken können, die bislang nicht erreichbar waren. Dadurch lassen sich Tiere nun nahezu überall auf der Erde beobachten – in Wüsten, über Ozeanen, im Polareis oder in der Atmosphäre. So entsteht ein wirklich globales Bild von Tierbewegungen und Umweltbedingungen.
ICARUS 2.0: Ein Netzwerk im Weltraum
Der erste Empfänger der neuen Generation wurde im November 2025 an Bord des GENA-OT-Satelliten der Universität der Bundeswehr München gestartet. Zwar handelt es sich dabei nicht um einen eigenen ICARUS-Satelliten, doch er hat einen ICARUS-Empfänger als Nutzlast mit an Bord.
Im Mai 2026 erreichte ICARUS einen weiteren Meilenstein: den Start seines ersten eigenen, selbst betriebenen Satelliten mit integriertem Empfänger, der den Namen RAVEN trägt.
Gemeinsam markieren diese Missionen den Beginn von ICARUS 2.0 – einer neuen, unabhängigen und von Europa geführten Weltrauminfrastruktur.
In den kommenden Jahren soll das System auf mindestens fünf speziell für ICARUS entwickelte Satelliten ausgebaut werden. Diese werden zusammen mit dem Industriepartner Talos und der Max-Planck-Gesellschaft betrieben. Einschließlich des Empfängers auf GENA-OT ergibt sich damit eine Gesamtzahl von sechs ICARUS-Empfängern in der erdnahen Umlaufbahn.
Dieses wachsende Netzwerk ermöglicht bis zu sechs Datenaktualisierungen pro Tag für jedes mit einem Sender ausgestattete Tier. Dadurch wird eine nahezu Echtzeit-Beobachtung von Bewegungen und Verhalten möglich. Die kombinierte Abdeckung durch mehrere Empfänger sorgt für häufigere, zuverlässigere und unabhängige Datenerhebungen – und trägt so entscheidend dazu bei, die Wildtierforschung voranzubringen und unser Verständnis dafür zu vertiefen, wie Ökosysteme auf Umweltveränderungen reagieren.

